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Andromeda

kabbalah Andromeda ist eine Galaxie, 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt, ebenso weit wie das Bewusstsein der Milchstraßenkinder von dem, was ich gleich schildern werde. Ich habe mir lange überlegt, ob ich überhaupt darüber schreiben soll. Vielleicht ist es ja eine Sache zwischen mir und dem Kosmos. Andererseits: Kann der Kosmos mir böse sein, wenn ich meinem Buch damit ein spannendes Ende verleihe?

Die Dinge veränderten sich plötzlich. Ich verschmolz mit dem Wetter, dem Sternenhimmel, dem menschlichen Organismus und allen Göttern. Ich sah Tiere lächeln. Ich versank in einer Nacht aus Milliarden Lichtern, in der mein ich-bezogener Alltag nicht mehr existierte – oder zumindest nicht mehr so wichtig war. Ich sehnte mich nicht mehr nach Menschen, auch nicht nach Partnern. Sie waren da, und das war gut. Sie waren nicht da, und das war auch gut. Sein und Nicht-Sein wurden zu relativen und instabilen Begriffen. Und dann erinnerte ich mich daran, über diesen Zustand schon gelesen zu haben – manche bezeichnen ihn unbescheidenerweise als „Erleuchtung“, aber ich bin kein Erleuchteter. Ich fühle mich nicht privilegierter als viele andere da draußen. Das einzige, was ich ihnen voraushabe, ist womöglich die Erkenntnis, dass Bewusstsein die einzige Form von Sein ist. Und dass es keine andere gibt.

Das Universum sagte: „Du siehst, es sind nicht nur kahlköpfige Buddhas mit bitteren Mienen, die etwas von mir begreifen. Es können auch Wirrköpfe wie du sein, die nie so richtig erwachsen geworden sind.“

„Okay“, sagte ich.

Seitdem brauche ich keine Rituale mehr und muss mir viele Dinge gar nicht mehr wünschen. Das Leben führt mich automatisch an den richtigen Ort, zu den richtigen Menschen. Das heißt nicht, dass ich keine Tippfehler mehr mache, keinen Schnupfen mehr bekomme, nicht mehr esse, trinke, erigiere oder wütend werde. Es bedeutet einfach, dass ich mittlerweile auf zwei Ebenen existiere – der des Erlebenden und der des Erkennenden. Meist bin ich Erlebender und finde es witzig und bin dankbar für die bunten Typen und Situationen, die das Leben mir schenkt. Dann werfe ich dieses Kostüm ab, werde Erkennender und verweile nackt und jung unter den Sternen.

Als ich zwölf war, saß ich einmal mit meiner Mutter in einem Straßencafé in Bayreuth, und ein Neger mit tausend Ketten um den Hals betrachtete meine Hände und sagte: „Oh, Boy ist auserwählt.“ Mom lächelte nur. Auserwählt bedeutet nicht, etwas Besonderes unter den Menschen zu sein, sondern etwas Besonderes jenseits von ihnen.

Wozu noch das Satanisten-Spiel? werden manche mich fragen. Die Antwort ist simpel: Es gehört zum Persönlichkeitsbild des Erlebenden und ist für mich die (immer noch) aktuelle Rolle inmitten des Alltags. Dort, wo ich wirklich wohne, gibt es Begriffe wie Gott oder Satan nicht. Oder doch – aber verschmolzen zu einem großen Ganzen. Die Unterschiede sind aufgehoben. Das Böse, das Traurige, all die Ruhelosigkeit des Lebens war nur Illusion. Du – der Erlebende – bist nur Illusion. Du – der Erkennende – bist nur Illusion. Schließ deine Augen und lach mit dem Kosmos.

Andromeda-Bewußtsein ist nichts, worauf man stolz sein oder womit man prahlen kann. Es ist auch nicht, wie Jed McKenna schreibt, die völlige Ernüchterung. Es ist vielmehr, als würdest du dein Ego homöopathisch potenzieren – das heißt, auf eine so geringe Menge reduzieren, dass seine Körperlichkeit verschwindet und seine Geistigkeit sichtbar wird. Erst wenn du es zum Verschwinden gebracht hast, schwillt es an zur Größe des Universums. Erst wenn es dich nicht mehr quält, kann es dich glücklich machen. Es ist eine Art Nirwana zu Lebzeiten – und ob Nirwana alles ist oder nichts, muß jeder für sich selbst entscheiden.

Man kann natürlich glauben, die Ereignisse im Leben folgten einem reinen Zufallsprinzip, aber für mich ist diese Vorstellung nicht intelligenter als Buchstabensuppe und stammt hauptsächlich von Leuten, die – bezogen auf ihr eigenes Leben – mit dem Begriff Entwicklung nichts anfangen können, weil sie ihn nie hinterfragt haben.

Was wir Schicksal nennen, sind Ereignisse, zu denen uns ein Hunger führt, von dem wir nichts wissen. Jedes Erlebnis zielt auf eine Korrektur – und es ist an uns, ob wir diese Korrektur vornehmen wollen oder nicht. Inspirierte Geister tun es. Sie neigen zu kleinen Missgeschicken und haben viele witzige Geschichten zu erzählen. Sturköpfe und Besserwisser tun es nicht. Als Folge davon lässt das Schicksal sie jahrelang in Ruhe, um ihnen eines Tages brutal das Rückgrat zu brechen. Ihre Geschichten sind nicht so witzig.

Es gibt eine einfache Methode zur Vermeidung von  Schicksalsschlägen: Stell dir einfach bei jedem kleineren Missgeschick – Rückenschmerzen, einem Kratzer am Auto, einem Ehekrach – die Frage: Was hat es mit mir zu tun und meinem subjektiven Leben, das ich als einziger entschlüsseln kann? Dann ist die Chance, deine Lektion zu lernen und für immer deine Ruhe zu haben, immens. Das sind die ersten Millimeter auf dem Weg zu Andromeda.

Und dann kommt der Tag, an dem du aufwachst und merkst, daß du wirklich wach bist. Dein Leben beginnt zu bröckeln, aber nur dort, wo es nicht schmerzt. Es ist, als würde man Atome aus einem Molekül brechen. Das Molekül zerfällt, und was zurückbleibt, ist reines Bewusstsein. Du bist reines Bewusstsein. Ich kann es dir beweisen:

Stell dir einmal vor, du wärst nie geboren worden.

Lies nicht einfach weiter. Stell es dir wirklich vor.

Dann frage dich als nächstes: Wenn du nie geboren wärst – wäre dann die Welt? Oder wäre es nicht zumindest egal, ob sie wäre? Falls ja – wem wäre es egal? Du selbst wärst ja nicht existent. Hast du vielleicht die Welt um dich mit deinem Bewußtsein erst erschaffen? Atome sind nicht viel mehr als leerer Raum. Was verdichtet diesen leeren Raum zu Formen und Gestalten? Dein Bewusstsein? Stell dir vor, du wärst nie geboren worden.

Alles, was ist, wäre nicht.

Oder stell dir vor, alles Organische, alles Lebende – alles, was wächst, sich entwickelt und Bewusstsein hat – würde erlöschen. Und zwar nicht nur hier auf der Erde, sondern im gesamten Universum. Was würde die Existenz dieses unbelebten Universums von seiner Nicht-Existenz unterscheiden? Versuche dich nicht an einer physikalischen Erklärung – Physik ist nur Maya, ist ein Trugbild wie alles andere. Grinse auch nicht, sondern beantworte die Frage – oder grinse doch. Grinsen ist immer ein Zeichen dafür, dass man etwas kapiert hat.

Alles, was du wirklich weißt, ist, dass du bestimmte Dinge wahrnimmst. Du nimmst mein Buch wahr, in dem du gerade liest. Aber glaub mir – das Buch ist nur eine Ausgeburt deines Bewusstseins. Auch ich bin es. Du hast dir Oliver F. erschaffen, weil du so etwas wie Oliver F. in deinem Leben brauchtest. Wir wären uns nie begegnet, wenn du mich und meine Denkanstöße nicht irgendwo benötigt hättest. Und falls du zu denen gehörst, die mich nicht mögen, zu den Oliver-F.-Hassern also, dann hast du sogar extrem viel mit mir zu tun. Dann bin ich nämlich der Spiegel, der dir zeigt, was du in dir verdrängst. Du bist nicht mein Spiegel, weil ich dich ja nicht kenne, du aber kennst zumindest einiges von dem, was ich geschrieben habe. Du hast dir die Mühe gemacht, es zu lesen. Du bist in meinen Fängen.

Sorry … ich gleite soeben zurück auf die Ebene des Erlebenden. War nicht meine Absicht. Auf der Ebene des Erkennenden bist du natürlich nicht in meinen Fängen. Weil ich dort nur Konstrukt bin, und du nur Konstrukt bist, und wenn du wie die bezaubernde Jeannie die Arme verschränkst und zwinkerst, ist all das verschwunden.

Knips.

Anybody out there?

Man vergisst sie so schnell, die Sache mit der Illusion … und schon sitzt man – zu unpassender Stunde – am Tisch und schlägt sich den Bauch voll oder hat Wutanfälle oder reagiert ein wenig eifersüchtig. Alles Kinderkram.

Aber jetzt muss ich aufstehen und zur Garderobe gehen. Da ist er ja, mein Erlebnis-Mantel – in den muss ich jetzt schlüpfen.

Damit die Geschichte endlich weitergehen kann.

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(Das Kapitel Andromeda stammt aus dem Buch “Satans Hofnarr” (2012), das im Buchhandel nicht mehr erhältlich ist. Die Rechte liegen beim Autor. Jegliche Verletzung des Copyrights wird strafrechtlich verfolgt.)

Ich habe Neuigkeiten!

Mein Kalender hat jetzt eine eigene Facebook-Seite.

Dort könnt ihr euch einen Überblick über den Inhalt verschaffen, das Buch bestellen (ideal auch als Geschenk) und immer auf dem Laufenden bleiben.

Ich freue mich auf Euren Besuch! (Einfach unten aufs Bild klicken)

Euer Oliver

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Ich habe mich nach der Wahl

nicht oft zu Wort gemeldet, und das hat seine Gründe: Ich lasse mich nicht blenden vom Wahlergebnis (da hätte es schon klarer ausfallen müssen), ich bin nicht bestürzt über das Verhalten der Politiker (bin ich denn anderes von ihnen gewohnt?) – nein, was mich wirklich lähmt und mir für lange Zeit die Hoffnung nehmen wird, ist die Mutlosigkeit der Menschen. Natürlich lebe ich schon lange genug, um zu wissen: Ja, sie sind feige, ja, sie haben nur wenig Charakter, ja, du kannst sie zu allem bewegen, wenn du ihnen nur auf die richtige Weise Angst machst. Aber dass es solche Formen annehmen kann …

Es wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für jeden CDU-Politiker, zu Angela Merkel zu sagen: Gehen Sie – und retten Sie dafür Ihre Partei. Sie haben genug Unheil angerichtet – verdünnisieren Sie sich, dann hat dieses Land wieder eine Zukunft. Klar, die Kanzlerin würde abweisend reagieren, denn sie interessiert sich weder für Ihre Partei noch für die Zukunft dieses Landes, sie interessiert sich nur für ihre Macht. Das kleine Mädchen aus der sowjetischen Besatzungszone, das es der Welt beweisen wollte, ist seelisch noch immer nicht gesundet. Aber über kurz oder lang müsste sie sich der Macht der Masse beugen. Die aber wartet lieber auf einen vagen Deus ex machinus – und auf den zu warten, führt stets zu einem Leben im Unglück.

Alle hängen viel zu sehr an ihren Pfründen, und für Ideale, die er nur noch dem Namen nach kennt, opfert keiner eine Münze. Nehmen wir Lindner: Ein Geldsack und ehemaliger Jungmanager, der seine Jugend irgendwelchen ominösen Marketing-Ideen opferte, weil er sich selbst als Mensch nie zu vermarkten wusste. Er wird in einer möglichen Koalition zu allem Ja sagen, wenn der für ihn herausspringende finanzielle Vorteil groß genug ist. Und da gibt es immer Mittel und Wege.

Und deswegen ist es mir lieber, erst mal zu schweigen. Jedes weitere Wort verdunstet wie Regen auf einem Fels. Ich warte auf mutige Menschen an den Schaltknüppeln der Macht. Es wäre eine Premiere: Das erste Mal im Leben, dass ich sie dort wirklich finden würde.