28. August 2014: Zum Thema Schreiben (I)

Viele Autoren, die sich wie ich ihre Geschichten aus der Realität holen anstatt sie zu erfinden, sehen sich als eine Art Journalisten, die erst recherchieren, dann dokumentieren. Ich habe meine Arbeit immer anders aufgefasst. Ich bin nie in Menschen gedrungen, habe nur akzeptiert, was sie mir freiwillig erzählten, wollte kein lückenloses Bild. Neugier ist keine meiner Haupteigenschaften. Im Gegenteil beklagen sich Leute immer wieder, dass ich erschreckend desinteressiert wirke, wenn sie mir von sich erzählen. Aus diesem Grund – weil ich nie Fragen stelle – bleibt bei meinen Figuren, meinen Szenen immer der Hauch eines Geheimnisses. Nichts wird zu 100 Prozent artikuliert und schon gleich gar nicht interpretiert. An dieser Stelle endet mein Job, und der des Lesers beginnt.    

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