Die heiligen drei Irrtümer

hallervorden

Wenn es darum geht, die islamische Religion in Schutz zu nehmen, hört man – vor allem in den letzten Wochen – ja oft die abenteuerlichsten Statements. Den Vogel abgeschossen jedoch hat in diesen Tagen Dieter Hallervorden – mit der wohl dämlichsten Argumentation, die einem Gehirn nur entspringen kann:

Ohne den jahrhundertelangen Kulturaustausch zwischen Islam und Christentum gäbe es das heutige Europa nicht. Übrigens: Die heiligen drei Könige kamen aus dem Morgenland. Dumm gelaufen, oder?“

Ja, verdammt dumm gelaufen sogar – und zwar für Dieter Hallervorden selbst, der mit seiner Aussage beweist, von Geschichte nicht viel zu verstehen, von Religionsgeschichte jedoch überhaupt nichts. Die heiligen drei Könige als Kronzeugen für den Islam anzuführen, ist schon starker Tobak, durchaus vergleichbar mit dem törichten Geschwätz von Stammtischbrüdern, die schon gerne mal Bibelstellen zitieren, die es gar nicht gibt, nur um eine Pointe landen zu können. Hallervorden schafft es, in drei Zeilen Text ebenso viele kolossale Irrtümer unterzubringen.

Halten wir fest:

  1. Die „heiligen drei Könige“ sind ein Mythos. Mythen sind etwas Schönes und Wertvolles, als Argumente in einer politischen Diskussion eignen sie sich jedoch nicht. Ich kann einem Mann, der im Dschungel allein überleben muss, keinen Mut machen, indem ich ihm die Abenteuer von Tarzan bei den Affen schildere. Die ganze sogenannte „Weihnachtsgeschichte“ ist im Grunde nur eine Sammlung von Mythen, die sich zum Teil auf den Mithraskult, die „Geburt des Sonnengottes“ sowie heidnische Traditionen stützt. So viel zum historischen Wahrheitsgehalt (zum theologischen kommen wir noch).
  1. Gehen wir einmal davon aus, es hätte diese „Könige“ wirklich gegeben, und sie wären wirklich aus dem Morgenland gekommen. Was war zu jener Zeit das Morgenland? Bekanntlich das alte Babylonien, das zur Zeit von Jesu Geburt von den Parthern regiert wurde, die größtenteils Anhänger des Zoroastrismus waren, sich aber auch anderen religiösen Strömungen gegenüber aufgeschlossen und tolerant zeigten. Nicht gerade typisch für das heutige „Morgenland“.
  1. Der Islam wurde im 7. Jahrhundert nach Christus gegründet, etwa um 630. Die „heiligen drei Könige“ waren zwar nicht, wie die Tradition es lehrt, von Anfang an bei der Geburt Jesu dabei, sondern kamen mit ihren Geschenken erst viel später, aber 630 Jahre lang hätten sie sicher nicht gewartet. Wenn Hallervorden also diese drei Sagengestalten in einem Atemzug mit dem Islam nennt, ist das nicht nur historisch falsch, sondern geradezu peinlich.

Was den theologischen Wahrheitsgehalt der drei Könige anbetrifft , so stellen sie einfach die symbolische Verneigung anderer Völker und Religionen vor dem neugeborenen „Heiland“ dar. Von Königen ist jedoch im Neuen Testament nicht die Rede, und auch die Zahl drei ist frei erfunden. Es ist nur die Rede von „weisen Männern aus dem Morgenland“, griech. magoi, was man mit „Magier“ übersetzen könnte. Vermutlich waren Sterndeuter gemeint.

Da die katholische Kirche im Gegensatz zur protestantischen nicht auf dem Lutherschen Leitsatz „sola scriptura“ (allein durch die Schrift) beharrt, entstanden im Laufe der Jahre viele traditionelle Elemente, mit der die Geschichte vom Besuch der Weisen ausgeschmückt, verschönert und auch bequem zurechtgebogen wurde. Das ging so weit, dass sie zu regelrechten Hätschelkindern des Christentums wurden, denen man post mortem auch noch die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar verlieh. Und noch heute am 6. Januar läuten die Kirchen zu ihren Ehren die Glocken: Palim, palim!

© by Oliver M. Fehn

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2 thoughts on “Die heiligen drei Irrtümer

  1. Thorsten says:

    Oliver, Du hast mal wieder meinen Tag gerettet. Habe Tränen gelacht, wie Du die Islamversteher und Gutmenschen, die in Wirklichkeit keine Ahnung haben, auseinander nimmst.
    Gruß
    Thorsten

  2. Dieter Wagner says:

    Naja, der Didi ist halt geistig nimmer so fit. Und sein Bekanntheitsgrad lässt auch stark nach. Für das Dschungelcamp wahrscheinlich zu alt und Kakerlaken zum Frühstück sind nicht jedermann Sache. Um mal wieder in die Schlagzeilen zu kommen, auch wenn es nur auf der vorletzten Seite ist, gibt es halt nur die beiden Möglichkeiten: Dschungelcamp oder eben schlaue Sprüche zum Islam^^

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