Was dem Ochsen erlaubt ist …

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Ein paar Worte zum Fall Böhmermann

Eins konnte man Deutschland in den letzten Jahren nicht nachsagen: Dass es ein Land wäre, in dem kleine persönliche Attacken nicht maßlos überbewertet und aus Flöhen nicht regelmäßig Elefanten gemacht würden. In unserer Zeit reicht es, wenn ein Sportlehrer einen Schüler mal als „lahme Ente“ bezeichnet, und fällt ein pauschalisierendes Wort gegen einen ausländischen Mitbürger, so ist die Grenze zur „Volksverhetzung“ rasch überschritten.

Wie kann es passieren, dass in diesem Klima der Mimosenverhätschelung ein Mann wie Jan Böhmermann für sein angeblich satirisches, in Wahrheit jedoch nur strunzblödes Gedicht gegen den türkischen Staatschef Erdogan plötzlich so viele Verteidiger hat?

Es liegt an der Sonderstellung, die Leute wie Jan Böhmermann hierzulande genießen: Eigentlich sind sie nicht Männlein, nicht Weiblein, nicht Fleisch noch Fisch, sondern so etwas wie geschlechtslose Dauerclowns, denen so gut wie gar nichts verübelt wird. Sie vertreten immer die politisch korrekte Richtung, sind keine eigentlichen Störenfriede, und alles, was sie tun, ist wie von einem breiten Grinsen untermalt. Ein Großteil der Prominenz aus dem Unterhaltungsbereich genießt inzwischen diesen Status: Deshalb würde man auch am liebsten immer im Stuhl versinken, wenn Leute wie Oliver Kalkofe einen Nachruf sprechen, wo doch jeder eine Mattscheibe erwartet, oder wenn Bernhard Hoëcker in einer Talkshow mit so etwas Un-Witzigem wie einer mathematischen Zweiminuten-Lösung des Flüchtlingsproblems aufwartet. Auch Hoëckers Ausführungen wurden als genial hochgejubelt, dabei kriegt man sie an jedem zweitklassigen linken Stammtisch zu hören. In anderen Worten: Es gibt Menschen in diesem Land, die sich auf Grund ihres Images einer objektiven Beurteilung entziehen.

Böhmermann ist einer von ihnen. Er ist skandalresistent, weil links, kann also schon mal nicht böse sein, und er gilt als kluger Schelm, was er deshalb noch lange nicht sein muss. Er vertritt die richtige Seite, und ihm kann der Flachschädel, der seine Gags rein gar nicht versteht, ebenso gefahrlos zujubeln wie der Möchtegern-Intellektuelle bei ihm nicht fürchten muss, unter sein eigenes Vorzeige-Niveau zu rutschen.

Das Trauerspiel bei der ganzen Angelegenheit ist ein anderes: Auf einmal, gewissermaßen über Nacht, hört man plötzlich auch den Mainstream von einer „Gefährdung der freien Meinungsäußerung“ in Deutschland munkeln – eine Diskussion, die schon längst überfällig gewesen wäre, jedoch mit ernsterem Hintergrund und weit über Böhmermanns Possenspiele hinausgehend.

© 2016 by Oliver M. Fehn

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