Rügen haben kurze Beine

(jedenfalls, wenn sie vom Deutschen Presserat stammen)

von Oliver Fehn

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Eine konservative deutsche Wochenzeitung musste sich diese Woche vom Presserat “rügen” lassen – wegen Nennung der Nationalität eines Vergewaltigers.

Und zum wiederholten Mal frage ich mich: Der Presserat, wer ist das eigentlich? Inwieweit hat er das Recht, den Chefredakteur einer Zeitung an einer lückenlosen, aussagekräftigen Berichterstattung zu hindern?

Was passiert, wenn ich als Redaktionsleiter dem Presserat antworte, er könne sich seine Rüge unter sein geschätztes Präputium jubeln und einfach weiter meinen Grundsetzen treu bleibe? Wenn ich ihm sage, mein Blatt habe nicht vor, den Sterbeweg allen journalistischen Fleisches zu gehen, dessen lauwarmen Wischiwaschi aus “jungen Männern” oder “südländisch aussehenden Typen” kein Mensch mehr erträgt?

Darf es sein, dass eine staatliche Stelle mich als Redakteur, sprich als nicht-staatlichen Dienstleister dazu zwingt, eine Informationspolitik zu pflegen, die ich für falsch, verlogen und für ideologisches Kalkül halte? Und die letztlich mir und dem Überleben meiner Zeitung schadet?

Der Einwand des Presserats, die Nationalität des Täters (es handelte sich um einen Afghanen) sei in Bezug auf die Tat nicht relevant, ist falsch. Es geht hier um einen muslimischen Flüchtling, es geht um Gewalt, und es geht um ein bestimmtes Frauenbild – insofern ist sie relevanter denn je, ist eigentlich die wichtigste Lektion, die ein solcher Artikel für uns bereithält. Und die man entweder begreifen kann oder so tun, als wäre man zu blöd dazu.

© 2016 by Oliver Fehn

Die Schande

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Wie ein Schwulenfilm der islamischen Zensur zum Opfer fiel

von Oliver M. Fehn

Ich hatte von der Ortschaft Bad Säckingen zuvor nie gehört. Dem Namen nach zu schließen, liegt sie irgendwo zwischen Buxtehude und Kleinschloppen. Wenn ich trotzdem darüber schreibe, dann nur, weil das, was dort soeben geschieht, wunderbar exemplarisch ist für die Richtung, in die dieses Land steuert. In Bad Säckingen geht es um einen Film, woanders sind es Kunstausstellungen, Witze und im Zweifelsfall „verletzte Gefühle“ (als wäre es irgendwie klug, Menschen von dieser Basiserfahrung fernzuhalten). Jedenfalls: In Bad Säckingen findet eine „multikulturelle Woche“ statt, und ein Film mit homosexueller Thematik, der in diesem Rahmen gezeigt werden sollte, wurde wieder aus dem Programm gestrichen – auf Wunsch der türkisch-islamischen Gemeinde, die sonst mit Ausstieg aus dem gesamten Projekt drohte.

Es wäre ein Zeichen von Charakter gewesen, zu sagen: „Wenn ihr mit dem Thema Probleme habt, dann steigt doch aus.“ Aber wir sind nicht dort, wo Menschen Charakter besitzen, wir sind in Deutschland, und zwar dem neuen, identitätslosen, ausgehungerten, von Alt-68ern verunreinigten Deutschland, das sich kaum mehr auf den Füßen halten kann.

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wozu eine Multikulti-Woche eigentlich gut sein soll. Was ist an einer solchen Woche anders, wenn wir ohnehin eine Multikulti-Gesellschaft sein wollen? Wenn vom „Zusammenrücken der Kulturen“ die Rede ist, so höre ich allenfalls die fatale Doppelbedeutung des Verbs heraus – und das ist kein gutes Omen.

Noch strenger genommen, ist sogar der Begriff „multikulti“ falsch gewählt, denn im Grunde geht es immer nur um zwei Kulturen, nämlich unsere und die arabisch-orientalische. „Multi“ heißt aber viele, heißt eine ganze Fülle, so wie auch ein Multivitaminsaft nicht nur zwei Vitamine enthält und „multidimensional“ ein wenig mehr bedeutet als Länge mal Breite. Was eine „Multikulti-Woche“ sein soll, bleibt also ebenso schleierhaft wie die Frage, was Katzen davon haben, dass es einen „internationalen Tag der Katze“ gibt.

Man hat eine vage Vorstellung: Gemeinsame Veranstaltungen, Austausch, der versuchte Spagat, zwei unvereinbare Welten miteinander zu vereinen. Bei einem solchen Event würden mich selbst Burkas und Koranlesungen nicht stören, wenn auf der anderen Seite auch Kreuze, Kippas und Lesungen aus dem Tanach oder dem Neuen Testament stattfinden würden, ohne als Provokation zu gelten. Doch auf Grund mangelnden Rückgrats wurde auch diesmal aus dem geplanten Spagat eine ungeschickte Grätsche mit Sehnenriss. Fast in Lichtgeschwindigkeit verschwand die „Schande“ aus dem Programmangebot.

Das ist nicht Multikulti, es ist – wie so oft in solchen Fällen – der Versuch des Islam, die dominante Rolle zu spielen und der anderen Hälfte von „Multi“ Vorschriften zu machen. Und wieder einmal gibt die westliche Kultur sich geschlagen. Die orientalische Flöte lärmt, und die deutschen Narren tanzen dazu ihren Untergang.

Als der Nudelhersteller Barilla damals entschied, in seiner Werbung auf ein traditionelles Familienbild zu setzen anstatt auf schwule Lebensgemeinschaften, wurde er mit europaweitem Boykott und sogar mit dem Tod bedroht. Als vor einiger Zeit ein Fernsehkoch zu einem kartoffelschälenden Studiogast sagte: „Fest anfassen, nicht so schwul“, war das Geplärre ebenfalls groß.  In den 70er Jahren nahm der Bayerische Rundfunk einen schwulen Liebesfilm des Schweizer Autors Alexander Ziegler aus dem Programm, und jeder, der damals schon lebte, dürfte sich erinnern, welche Wellen die Diskussion über „Die Konsequenz“ damals schlug.

Aber das waren ja auch Europäer, unbeleckt vom Strahlen des Propheten, dessen Blendwerk auf fast schwarzmagische Weise eine ganze Gesellschaft zu schweigenden Mittätern macht. Ich habe einen Zeitungsartikel zu diesem Thema an einen schwulen Autorenkollegen geschickt, der Romane über das Coming-out und die noch immer existenten Seelennöte junger Schwuler schreibt.

Es kam keine Antwort.

© 2016 by Oliver M. Fehn

Nachtrag: Der im Text erwähnte Autor hat mir inzwischen geantwortet.