Als wäre da nichts gewesen

gahnenvon Oliver Fehn

Stellt euch mal vor, ihr seid Politiker oder Experte oder Diplom-Ethno-Sozio-Politologe, und euch ist mal wieder langweilig. Wenn euch langweilig ist, provoziert ihr gern andere Leute, vor allem eure Landsleute, also geht ihr zur Presse und macht einen besonders hanebüchenen Vorschlag – zum Beispiel, öffentliche Bedürfnisanstalten dürfen nur noch von Veganern benutzt werden, oder wer als Deutscher “Allahu akbar” falsch schreibt, macht sich des Rassismus schuldig.

Und dann stellt euch mal vor, keiner reagiert. Keiner nimmt es ernst. Und keine Zeitung berichtet darüber. Die Leute, die trotzdem davon erfahren, grinsen und schütteln den Kopf und tun weiter, was sie für richtig halten. Wie würdet ihr euch fühlen?

Gut, zunächst würdet ihr denken, vielleicht nicht provokativ genug gewesen zu sein und zwei Wochen später einen noch viel hirnverbrannteren Vorschlag machen. Mit der einzigen Folge, dass das Grinsen der Leute noch breiter, die Stille noch stiller, das Kopfschütteln bereits viel zu anstrengend geworden ist.

Vermutlich würdet ihr euch hüten, einen weiteren Versuch auch nur zu erwägen.

Darüber sollten wir alle mal nachdenken – und zwar im Umgang mit dem täglichen Bockmist, den wir unverdienterweise immer wieder behandeln, als entspränge er gesunden Hirnen. Mit dem wir uns unverdienterweise immer wieder beschäftigen und uns darüber aufregen und unseren klaren Verstand gegen einen Krüppel in den Ring schicken. Ignoriert den Quatsch einfach und tut weiter, was ihr wollt. Denkt gar nicht darüber nach.

Es wird der Trump-Effekt eintreten: Erst kreischten und heulten sie in den Straßen und stürzten Autos um, dann ging ihnen nach und nach der Atem aus, und jetzt blubbern sie nur noch lustlos mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten vor sich hin. Warum? Weil Trump die Randalierer einfach ins Gefängnis werfen ließ und in seiner Tagesordnung weitermachte. Als wäre da nichts gewesen.

Wir können uns (noch immer) viel mehr erlauben als wir uns trauen. In einem Land, in dem Satire verboten wird, weil sie mit der Wirklichkeit verwechselt werden könnte, muss man sich nicht an alles halten, was wider Erwarten Wirklichkeit ist. Kein Wunder, dass keine andere Sprache ein Äquivalent für das kennt, was in Deutschland “vorauseilender Gehorsam” heißt.

© 2017 by Oliver M. Fehn

Mir ist der Sinn dieser Transgender-Toiletten …

… ohnehin nie klar geworden, wobei die verschiedenen Formen des Pinkelns natürlich auch nicht zu meinen Hobbys gehören. Ich hab nur als Kind mal gelernt, dass es Toiletten für Mädels und solche für Jungs gibt, damit es nicht zu Spannereien und Belästigungen kommt. Ich weiß nicht, wie und aus welchen Öffnungen Trans-Wesen ihr Geschäft verrichten, ich will es auch gar nicht wissen, ich hab nur das Gefühl, dass Trump da etwas in letzter Sekunde zurechtgerückt hat, das gerade im Begriff war, zu degenerieren, und dass die Auswahl zwischen Männchen mit Hut und Weibchen mit Rock an der Klotür uns künftig genauso reichen wird wie in den letzten hundert Jahren. Wer für sich nicht das Passende findet, kann ja ins Gebüsch.

Jetzt neu erschienen: “Der Pfeifer vor dem Tor zum Tag”

pfeifer

Ein Buch für Kinder, zum Trösten – und für Erwachsene, um zu begreifen.

Ein Buch ohne pädagogische Absicht oder moralische Botschaft, aber auch ein Buch voller Weisheit. Die Natur spricht ihre eigene Sprache.

Kenneth Grahames rätselhafte, oft verschwiegene Geschichte vom „Pfeifer vor dem Tor zum Tag“ – neu erzählt von Oliver Fehn, mit Illustrationen von Tobias Könemann.

  • 42 Seiten
  • Verlag: Pandämonium Verlag
  • EUR 14,99