Alles für alle – und zwar rund um die Uhr

marriedMeine Mutter, deren Ansichten zu Liebe und Ehe erfrischend revolutionär waren, sagte immer, die Ehe sei für sie der größte Humbug überhaupt: eine durch und durch überflüssige Einrichtung. Ich gab ihr damals schon recht, aber inzwischen gebe ich ihr noch viel rechter. Lebensgemeinschaften funktionieren auch ohne Eheschließung, es sei denn, man will unbedingt den kirchlichen Segen oder zumindest die finanziellen Vorteile einer eingetragenen Lebensgemeinschaft genießen. Wenn man mich also fragt, ob ich eine Ehe für alle befürworte, muss ich als Erstes einmal wissen, wer „alle“ überhaupt sind.

Wenn Frau und Mann heiraten wollen, sollen sie, falls sie das wünschen, den kirchlichen Segen bekommen, bei zwei Männern/zwei Frauen halte ich eine gesetzliche und weltliche Garantie auf besondere (z. B. steuerliche) Vorteile für ausreichend; Ehe muss das Ganze nicht unbedingt heißen.  Und wenn es – sagen wir – um die Ehe eines Trans*Mannes mit einem Crossgender geht oder um eine der anderen 60 Geschlechtsidentitäten, geht mir das Verständnis gar ganz flöten. Man kann im großen Bauchladen der Toleranz nicht alles vorrätig haben, zumindest nicht gleichzeitig. Wenn mir die traditionellen Rollen zu konservativ sind, kann ich nicht im gleichen Atemzug meine Liebe zu einer durch und durch konservativen Institution wie der Ehe entdecken.

Es wird in Deutschland mehr und mehr zur Unsitte, dass jeder ein Recht auf alles haben darf. Fett sein, aber an Schönheitswettbewerben teilnehmen; Mutter sein und trotzdem Karrierefrau; „total crazy“ sein und trotzdem Generaldirektor werden wollen; Kinder haben, aber die Erziehung an den Staat abgeben. So funktioniert die Welt aber nicht: Wenn ich eine Entscheidung treffe, muss ich zwei, drei andere Entscheidungen über die Klinge springen lassen, und zwar konsequent. Nicht hiervon eine Unze und davon ein Quentchen – nein, entweder mit Herz und Seele oder gar nicht. Dazu muss man natürlich erst mal wissen, was man will. Der Deutsche weiß es: Er will alles.

Und das für alle. Rund um die Uhr.

Das Ganze natürlich mit kindlicher Begeisterung, ohne jegliches kritische Hinterfragen à la: Wie sieht es bei der „Ehe für alle“ eigentlich mit Adoptionen aus? Ich bin nach wie vor der Meinung, ein Kind braucht zwei verschiedengeschlechtliche Elternteile, um ausgewogen aufzuwachsen, aber wenn die Eltern nun Lann und TjorvenX heißen und sich auch so verhalten? Glaubt jemand ernsthaft, unter solchen Umständen sei eine normale Entwicklung zu einem normalen Jungen oder Mädchen möglich? Oder wäre es vielmehr der Startschuss zur Erschaffung einer ganzen Generation androgyner Weißbrotgesichter?

Spagate sind derzeit zwar die häufigste Übung im politischen Alltag – manchmal mit schweren Bänderrissen – aber am Ende des Tages stellt sich zumindest die Frage, ob es derzeit nicht brisantere Projekte gäbe. Zum Beispiel die Bekämpfung des neuen, aus dem Morgenland importierten Schwulenhasses, der ausnahmsweise nicht mit dem etymologisch falschen Wort „Homophobie“ bezeichnet, sondern möglichst gar nicht erwähnt wird. Hier hätte sich ein „Schnellschuss“ vor der Wahl vielleicht gelohnt. Denn das ist es, was die Bürger interessiert. Nicht, ob Lasse und Tjerk heiraten dürfen, und – nach einer Abhärtungsphase – in einigen Jahren mit Sicherheit auch Lasse und Lassie.

(C) by Oliver M. Fehn

 

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In Kürze neu bei Pandämonium

becquer

Erscheint im Juli: Gustavo Adolfo Bécquer – Von Teufeln, Geistern und Dämonen

Gustavo Adolfo Bécquer gilt längst als Wegbereiter der spanischen Literatur. Auch wenn er zu Lebzeiten keine große Berühmtheit erlangte, so sind seine atmosphärischen Schauergeschichten dennoch unvergessen geblieben.
Düstere Legenden, Spukphänomene, okkulte Beschwörungen und unerklärliche Ereignisse aus lange vergangenen Zeiten bilden den Kern der 18 in diesem Buch enthaltenen Geschichten: Meister Perez, der Organist; Das Teufelskreuz; Glaubet an Gott!; Die Höhle der Maurin; Das Miserere; Das weiße Reh; Die grünen Augen; Der Geisterberg; Der Mondstrahl; Kobold; Das Kruzifix mit dem Totenschädel; Das Gelöbnis; Die Passionsblume; Das goldene Armband; Der Kuss; Der Tod der alten Kaska; Die Zauberburg; Die Hexen von Trasmoz.

Pandämonium Verlag
ISBN-10: 394489314X
ISBN-13: 978-3944893143
Seitenzahl: 248
Preis: 14,95

Zum Tod von Helmut Kohl

kohl

Ich habe Helmut Kohl ein einziges Mal persönlich gesehen, bei einem Presseempfang am Hofer Flughafen Pirk. Einer der Reporter machte eine launige Bemerkung, und Kohls Gesicht war auf einmal wie ein Bild, durch das ein Riss ging. Er hatte nicht den geringsten Humor. Von seinem gewaltigen Korpus ging eine Schwerkraft aus, die es einem schwer machte, sich in seiner Nähe wohl zu fühlen.

In den folgenden Jahren fiel er abwechselnd positiv und negativ auf: positiv etwa, als er sich einen Eierwerfer, anstatt sich hinter seinen Bodyguards zu verschanzen, persönlich zur Brust nahm. Negativ, als er einmal mit einem Journalisten die Nummer „Für Sie bin ich nicht der Herr Kohl, sondern der Herr Doktor Kohl“ abzog – eine Farce.

Was an seinem Tod trotzdem nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass mit ihm auch ein Deutschland starb, das – unbeirrt, stur, am Ende aber immer erfolgreich – ganz eigene Konturen hatte, für sich selbst stand, kein identitätsloses Deutschland war. Er hat das Land nicht schlecht geführt, auch wenn viele seinen Anblick nach 17 Jahren nicht mehr ertrugen. Als in der Nacht seiner Wahlniederlage nicht nur ein triumphierender Gerhard Schröder, sondern auch ein feixender Joschka Fischer auf der Bühne stand, musste es jedem, der sich mit diesem Deutschland identifizierte, einen Stich ins Herz versetzen.

Und tatsächlich: Die Zeiten wurden nicht nur nie wieder so, wie sie einmal waren. Sie wurden noch viel schlimmer. Möge Helmut Kohl in Frieden ruhen.

© 2017 by Oliver M. Fehn

Oliver Fehn Newsletter 2017

Liebe Leser, liebe Freunde,

einiges hat sich getan in den letzten Tagen, andere Dinge sind in Vorbereitung. Mein Milton-Buch „Das verlogene Paradies“ (die Geschichte von Satans Fall und Rückkehr) gibt es seit letzter Woche auch als E-Book. Im Gegensatz zum Mark-Twain-Buch, dessen elektronische Ausgabe auf die Illustrationen verzichtet, sind hier auch alle Abbildungen in sehr guter Reproduktion enthalten (zum Bestellen bitte aufs Cover klicken).

paradies e-book

 

Drei Herbst-Neuerscheinungen kündigt der Pandämonium-Verlag an:

  • Tobias Könemanns „Das schwarze Holz“, eine spannende Storysammlung in der Tradition von Edgar Allan Poe und Guy de Maupassant
  • Das sehr schön gestaltete Buch „Von Teufeln, Geistern und Dämonen“ mit alten, finsteren Legenden aus der Feder des spanischen Autors Gustavo Adolfo Béquer. Geschichten aus einer Zeit, in der man nachts noch durch dunkle Wälder nach Hause laufen musste anstatt ins nächste Taxi zu steigen. Für diese illustrierte Studienausgabe habe ich das Buch mit theologischem Auge durchforstet und mit mehr als 150 erklärenden Fußnoten zu religiösen Traditionen, Gebräuchen und Fachbegriffen versehen.
  • Ein bibliophiler Gedichtband mit den schönsten Gedichten des „vergessenen Dichters“ Paul Zech, der vor allem durch seine Nachdichtungen von François Villon und Arthur Rimbaud bekannt wurde, aber auch zahllose eigene, sehr ausdrucksstarke Gedichte verfasste (zum Beispiel „Die Ballade vom Grubenpferd“, die ihr als Leseprobe erhaltet, wenn ihr auf das nachstehende Bild klickt). Titel des Bandes: „Was wird hinter dem Dunkel sein?“

grubenpferd

Auch von mir wird es ein neues Buch geben, das zum Herbstanfang erscheint: Der immerwährende „Oliver-Fehn-Kalender“ mit 365 Sprüchen, Weisheiten, Gedanken, Kurztexten und Gedichten für jeden Tag des Jahres. Das knapp 200 Seiten starke Buch wird euch durch ein ganzes Jahr begleiten und eignet sich auch hervorragend zum Verschenken.

Für die Weihnachtszeit habe ich außerdem zusammen mit dem Verleger Uwe Siebert eine Überraschung geplant, die vor allem Satanisten und Anhänger des „Satanic Temple“, aber auch alle Freunde der französischen Literatur begeistern wird. Näheres dazu in Kürze.

Macht euch einen schönen, gemütlichen Leseherbst mit den neuen Büchern, von denen es sich wirklich lohnt, jedes einzelne zu besitzen.

Euer

Oliver Fehn