Oktoberlied

Oktober ist ein Weib, das kränkelt
Ein Pflaumenstiel in meiner Hand
Ein Bänkelsänger, der nur bänkelt
Ein dünner Vogelruf am Strand

Ist eine Nacht, die viel zu hell ist
für Worte, die man sonst nie sagt
Ein später Zug, der viel zu schnell ist
Ein Kreuz, das in den Himmel ragt

Ist ein Saal mit vielen Lichtern
Gestank von Salmiak und Urin
Eine Soirée mit vielen Dichtern
Ein Zeichen Gottes im Kamin

In deinem Haar ein weißer Schimmer,
auf deiner Stirn ein Ring aus Reif
Ein kaltes und verhärmtes Zimmer
Auf einem Fahnenmast ein Greif

Ist eine Mutter, schwer mit Sorgen
Ein Kind, das sich im Moor verirrt
Ein Heute, das schon riecht wie Morgen
Ein letzter Kuss … und Winter wird

Oliver M. Fehn

065 oktober

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