Chopin im Sommer

Schokolade oder Erdbeer? ruft der Eisverkäufer
und lächelt durch mein verriegeltes Fenster.
Ich denke aber über den Tod nach;
der ist ein einsamer Tänzer durchs Grün.
Manchmal höre ich Nachrichten:
ob eins der Kinder ertrunken ist am Fluss,
weil es so leise wurde, die Lüfte so leise
in diesem August.
Mein Haupt indes ruht wie auf Saiten:
Irgendwo im Stockwerk über mir spielt einer Chopin,
das schlägt wie ein Herz im Dezember.
Was ist schon ein trauriger Walzer in dieser Zeit?
Staub, der meinen Sommer seit jeher bedeckte,
ein kranker Feigenbaum.
Ich öffne das Fenster.
Zwei Kugeln Schokolade, sage ich dann.

 

Das Vermächtnis

Und als die Liebe zur Gewohnheit wurde,
mit Frühjahrsputz und Urlaubsplan und Blumengießen,
sah sie ihn eines Tages an und sprach:
Wollen wir jetzt den Bund fürs Leben schließen?

Und über ihm platzte gerade eine Wolke,
die riss den Himmel auf wie eine Wunde,
und Dächer glänzten, Uhren, Kirchturmspitzen,
der Tag vergaß zu atmen für eine Sekunde.

Da sah er sie noch einmal blau im Wind,
wie eine Windsbraut, wie im März die letzten Flocken,
die nicht mehr schmerzen. Und war plötzlich wieder Kind
und lange noch nicht reif für Hochzeitsglocken.

Er ging davon und sagte nicht ein Wort.
Sie aber spürte, wie sie etwas drückte.
Und keiner sah mehr, dass sie Blumen goss,
doch immer öfter heimlich pflückte

und ihrem Kind damit die Haare schmückte.
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Oliver M. Fehn

Airport

There’s nothing sadder than a plane taking off
to a sky
white as salt
nothing sadder than
looking up in the emptiness
just to avoid going home
and finding out
how it feels alone there
nothing sadder than
whispering a name at the airport
still staring up there by the late night moon

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